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ISBN 978-3-940574-38-1, 3. Auflage 2009, 439 Seiten, Paperback
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Frauen am deutschen Arbeitsplatz

- vollständiger Artikel - 

Schlendern Sie während der Mittagszeit durch die Cafeteria, egal welcher großen Firma in Deutschland, und Sie werden vermutlich über den hohen Anteil Männer in Anzug und Krawatte erstaunt sein. Ironischerweise dies gerade in einem Land, in dem die Frauenbewegung von Anfang an mit aktiv war und das derzeit zum ersten Mal in seiner Geschichte von einer Kanzlerin regiert wird. Somit wird überraschen, wie wenige Geschäftsfrauen in Deutschlands Firmen etabliert sind. Schaut man gar die Fotos der Vorstandsebene in einem deutschen Geschäftsbericht an, wird man so häufig eine Frau finden, wie ein vier-blättriges Kleeblatt auf einer großen Wiese. Das Fehlen von Frauen in Führungspositionen, speziell im oberen Führungskreis, ist nicht nur in Deutschland extrem, es ist ein sonderbares Phänomen.

Frauen am deutschen Arbeitsplatz

Während etwa 60 Prozent aller Frauen zwischen 15 und 65 außer Haus arbeiten, sind doch nur 30 Prozent in einem qualifizierten Beruf tätig und davon wiederum nur zweidrittel Vollzeit. Was ist es also, das Frauen von einem hochqualifizierten Arbeitsplatz und Karriereambitionen fernhält, stellen Frauen doch mittlerweile die Mehrheit der Universitätsstudenten in Deutschland? Die Meinungen hierüber gehen auseinander und reichen von Diskriminierung am Arbeitsplatz über Ungleichbezahlung bis zu fehlenden beruflichen Zielen des weiblichen Geschlechts. Festzuhalten bleibt, dass in Deutschland eine solche Mischung aus kultureller Tradition und so-zialer Gesetzgebung herrscht, dass Frauen eher geneigt sind sich für eine Alternative zur beruflichen Karriere zu entscheiden. Wenn Sie sich als Frau also plötzlich in einem männergefüllten Konferenzraum wiederfinden, behalten Sie deshalb ein paar Dinge im Gedächtnis:

Kultur und Tradition
Jahre ist es her, da waren die Pflichten einer deutschen Frau von den drei K’s bestimmt: „Kinder, Küche, Kirche“. Heutzutage spielen die ersten beiden, auch wenn nicht länger als Pflichten bezeichnet, weiterhin eine wichtige Rolle im Leben einer deutschen Frau. Während es in vielen Ländern für Frauen üblich ist, Vollzeit zu arbeiten, auch während die Familie wächst, halten viele Deutsche an der traditionellen Einstellung fest, dass eine Frau nicht versuchen sollte, beides unter einen Hut zu bringen. Ganz im Gegensatz zu vielen anderen Industrienationen wird dies in Deutschland von Frauen nicht erwartet. Es mag einem merkwürdig vorkommen, doch auch junge Frauen in Deutschland sind weiterhin stark von dieser Tradition geprägt. Wenn sie sich dafür entschieden haben, eine Familie zu gründen, geben sie häufig ihren Arbeitsplatz auf, um für einige Jahre zu Hause zu bleiben. Eine so lange Arbeitspause hat natürlich zumeist einschneidende Konsequenzen für eine Karriere. Wenn eine Frau sich tatsächlich dagegen wehrt, ihren Beruf an den Nagel zu hängen, um die Kinder aufzuziehen und sie nicht von einem außerordentlichen Umstand belastet ist (behinderter Ehepartner, Alleinerziehend, unter anderem), könnte es passieren, dass sie von der Familie, von Freunden und Kollegen kritisiert wird.

Sozialgesetzgebung und der demographische Wandel
Vor dem Hintergrund einer dramatisch sinkenden deutschen Bevölkerung hat das deutsche Sozialrecht eine Unterstützungsleistung eingeführt, die Einzelpersonen helfen soll, sich für Kinder zu entschieden. Leider hat es den unglücklichen Nebeneffekt, auch viele Frauen von ihrer beruflichen Karriere fern zu halten. Denn die finanzielle Unterstützung des Staates für junge Familien ist so verlockend, dass Frauen auch nach dem ersten Kind nicht an ihren Arbeitsplatz zurück kehren:

  • Elterngeld – diese steuer-finanzierten Mittel werden Eltern für das Jahr nach Geburt des Kindes angeboten. Die derzeitige Regelung sieht für angestellte Mütter oder Väter vor, zweidrittel des Jahresgehaltes eines Elternteils bis zu einer Höchstgrenze von derzeit 25.200 Euro zu kompensieren.
  • Kindergeld – Zusätzlich zum Elterngeld erhalten Eltern je nach Anzahl der Kinder mindestens 150 Euro pro Monat und Kind. Das Kindergeld wird beschäftigungsunabhängig für alle Kinder unter 18 Jahren gezahlt und verlängert sich bis 26 Jahre, wenn sie noch in Ausbildung sind.
  • Arbeitsschutz – Mütter, die sich entschieden haben, nach der Geburt ihres Kindes zu Hause zu bleiben, wollen oft irgendwann wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren. Dieser Prozess wird durch die deutsche Gesetzgebung insoweit begünstigt, da ein Arbeitgeber bis zu drei Jahren nach der Schwangerschaft den Arbeitsplatz für die Rückkehr offen halten muss. Diese Zeitspanne wird als so genannte EIternzeit bezeichnet. Wenn sich Frauen entscheiden, mehrere Kinder zu bekommen, wird diese Periode von drei Jahren jedoch weit überschritten. Eine so lange Auszeit verhindert dann oft einen Aufstieg in echte Managementjobs oder andere Führungspositionen. Meist entscheiden sich Frauen dann für einen Teilzeitjob und können sich damit weiterhin wenigstens für einen halben Tag um die Familie kümmern.

Eine große Lücke trotz eines hohen Lebensstandards
Eine Pause durch die Elternzeit oder Teilzeit-Arbeit, sowie die Befürchtung vieler Arbeitgeber, dass eine Frau im gebärfähigen Alter weniger an das Unternehmen gebunden sein könnte, tragen wesentlich dazu bei, dass Frauen im Durchschnitt 22 Prozent weniger verdienen als Männer in einem vergleichbaren Job. Dass dieser Umstand auch das Resultat einer Mischung mehrerer Einflüsse ist, wie beispielsweise zu wenige Kindertagesstätten und zu geringe Berufsfördermöglichkeiten für Frauen, muss eigentlich in Deutschland beunruhigen, leidet das Land doch unter dem dritthöchsten geschlechterbedingten Gehaltsunterschied innerhalb der Europäischen Union. Allerdings haben deutsche Männer auch eines der höchsten Durchschnittsgehälter in Europa. Das öffnet nicht nur die Gehaltsschere noch weiter, sondern fördert auch die Entscheidung der verheirateten Frauen, sich zuhause um die Kinder zu kümmern, anstatt sich um einen Job zu bemühen.

Tipps, wenn man trotzdem die Karriereleiter nach oben will
Obwohl es so viele Gründe gibt, die verhindern, dass eine Frau in Deutschland eine berufliche Karriere anstrebt, befindet sich die Rolle der Frauen am Arbeitsplatz im Wandel. Die schrumpfende Arbeitsbevölkerung in Deutschland ist nicht nur davon beeinflusst, dass Frauen weniger Kinder bekommen wollen, sondern auch weil die Zeit näher rückt, dass sich die in den Babyboom-Jahren Geborenen in staatsfinanzierte Renten zurückziehen. Damit wird zusätzlich die weibliche Arbeitskraft zunehmend unverzichtbar.
Zur gleichen Zeit haben viele jüngere deutsche Frauen einfach keine Kinder mehr, oder widersetzen sich der Tradition mit dem Versuch, sowohl Karriere als auch Familie unter einen Hut zu bringen. Diese Trends tragen zu einer sich ändernden deutschen Arbeitsgesellschaft bei. Nun, wenn Sie zu den Frauen gehören, die gegenwärtig auf einer unteren Sprosse der Karriereleiter stehen, brauchen Sie trotzdem nicht resignieren. Frauen können ebenso gut aufsteigen wie Männer – sie müssen einfach nur wissen, wie sie vermeiden, sich selbst im Wege zu stehen. Hier einige Tipps, die helfen sollen, die nächste Stufe zu erklimmen:

  • Verhalten im Büro
    Immer wieder sind wir in diesem Buch auf das unterschiedliche Verhalten im beruflichen und privaten Leben eingegangen. Die meisten dieser Unterschiede gehen auf den Einfluss des Ranges innerhalb der Hierarchie am Arbeitsplatz zurück.
    Als Frau können Sie sich manchmal in einer etwas peinlichen Situation befinden, wenn sich nämlich männliche Kollegen nicht an die Regeln halten und, zum Beispiel Ihnen zuerst die Hand schütteln wollen oder Ihnen die Tür aufhalten, einfach weil Sie eine Frau sind. In solchen Fällen seien Sie nicht verlegen und denken Sie daran, dass Sie nicht diejenige sind, die die Fehler macht.
    Akzeptieren Sie am besten einfach diese kavalierhaften Gesten, aber erwarten Sie sie auch nicht. Viele Männer (und Frauen) merken nicht, dass solches Benehmen eher im privaten Leben seinen Platz hat als am Arbeitsplatz. In der Tat versuchen manche, außerordentlich höflich zu sein und einen guten Eindruck zu machen. Eine solche Geste zurück zu weisen, wäre nicht nur unhöflich, sondern würde in den meisten Fällen einfach nicht verstanden werden. Dies sei auch gesagt, um die Etiketteregeln zu den Rangfolgen aktiv zu leben und damit Ranghöhere zuerst ein Zimmer oder den Aufzug betreten zu lassen, wenn Sie selbst die Situation in der Hand haben.
    Eine andere typische Fallgrube, die sich einer Frau in einem männlichdominierten Büro öffnet, ist die Neigung sich um häusliche Dinge zu kümmern, ganz so wie sie es im eigenen Haushalt zu sein scheint. Wichtig ist jedoch, dass eine Frau aus der Gefälligkeit, einmal den Kaffee zu kochen, das Geschirr zu spülen, oder die Pflanzen zu gießen, nicht etwas macht, von dem die männlichen Kollegen den Eindruck gewinnen, es sei die Normalität oder gar eine Verpflichtung. Im Gegenteil, diese Aufgaben sollten von jedem im Büro ohne Rücksicht auf das Geschlecht wahrgenommen werden und, außer sie sind in der Stellenbeschreibung festgeschrieben, sollten nicht der gewohnheitsbedingten Verantwortung einer einzelnen Person zukommen. Sowohl männliche als auch andere weibliche Kollegen werden wahrscheinlich mütterliche Gesten schätzen. Wenn sie sich jedoch um die Anerkennung für solche Taten bemühen, 183 gehen Sie das Risiko ein, für ihre wahren Kompetenzen, die sich aus Ihrer Aufgabe ergeben, weniger geschätzt zu werden.
  • Was sollte ich anziehen?
    Noch mehr Ablenkung von professioneller Kompetenz einer Frau als das Bemuttern kann bei männlichen Kollegen eine unpassende Kleidung auslösen. Am Arbeitsplatz ist es für Frauen wichtig daran zu denken, dass sexy nicht dasselbe ist wie attraktiv oder modisch. Obwohl wir bereits einige Kleidertipps für Frauen im Kapitel „Geschäftskleidung“ vorstellten, sollte eine Frau, die auf einen seriösen und professionellen Eindruck Wert legt, sich für den Erfolg kleiden. Hier die Regeln:
    • Haut zeigen ist out nicht in Wenn es irgendetwas gibt, das Menschen, sowohl Männer als auch Frauen, davon abhält Ihrem Vortrag die gebührende Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, dann ist es eine tief ausgeschnittene Bluse, ein zu kurzer Rock, ein rückenfreies Kleid, nackte Beine oder ein Stück Bauch, das zu sehen ist. Wenn die Sommertemperaturen steigen und manche weiblichen Kollegen herum laufen als seien sie am Strand, fühlen sich weitere Frauen dazu verleitet, mehr Haut zu zeigen als es ihrer Position angemessen ist. Für die Geschäftsfrau jedoch, für die Anerkennung der intellektuellen und geistigen Fähigkeiten sehr wichtig ist, ist dieses Verhalten völlig ungeeignet. Vergessen Sie auch nie, einen Unterrock und Nylonstrümpfe unter Röcken und Kleidern zu tragen, egal wie groß die Hitze auch sein mag.
    • Diese Schuhe sind zum Laufen da Ihre Schuhe sollten nicht das Erste sein, was Leute an Ihnen bemerken, insbesondere wenn Sie versuchen, mit sehr hohen Absätzen sich Ihren Weg durch das Konferenzzimmer zu bahnen. Die Schuhe, die Sie zur Arbeit tragen, sollten klassisch, von guter Qualität, stilvoll und komfortabel sein. Am besten wählen Sie dunkle Pumps mit mäßig hohem oder flachem Absatz. Vermeiden Sie Stilettos, Keilabsätze, grelle Farben und schrille Muster, genauso wie Beschläge und lange Bänder, die möglicherweise zu abwegigen Assoziationen verleiten. Vergewissern Sie sich auch, dass die Schuhe etwas eingelaufen und damit komfortabel sind, bevor Sie sie zur Arbeit tragen. Es ist verführerisch, zu einem großen Firmenereignis ganz neue Schuhe zu tragen, doch nichts ist peinlicher, als wenn Sie am Ende des Tages vor lauter Blasen an den Füßen barfuß, die Schuhe in der Hand, auf Zehenspitzen in Richtung Auto laufen müssen.
    • Der Arbeitsplatz außerhalb des Arbeitsplatzes
      Im Laufe eines Jahres werden Sie gelegentlich Ihre Kollegen für eine Veranstaltung außerhalb des normalen Arbeitsumfeldes treffen. Ob Sie sich nun in einem firmen-finanzierten Zelt auf dem Oktoberfest oder auf einem formellen Weihnachtsball Ihres Unternehmens befinden, ist es immer wichtig, dass Ihre Kleidung angemessen und passend zum Ereignis gewählt ist. Die Tatsache, dass Sie nicht mehr im Büro sind, bedeutet nicht, dass Sie ein professionelles Erscheinungsbild ablegen können, auch dann nicht, wenn der Alkohol beginnt zu fließen und die Etikette ins Wanken zu geraten droht. Sollte Ihre Leistung beginnen auf Ihrem engen, kleinen Schwarzen, dem Herunterlassen Ihres Haars oder dem Füßeln mit dem Sitznachbarn beim Aufspielen der Musik zu bestehen, könnte ein falscher Eindruck bei Ihrem Chef und Ihren Kollegen entstehen. Haben Sie Spaß an diesen Ereignissen, aber respektieren Sie immer sich und andere, denn Sie wollen Ihren nächsten Arbeitstag nicht mit einem sozialen Kater beginnen.

Romanzen bei der Arbeit
Nicht nur ein Unternehmen gruppiert automatisch bestimmte Personen nach ihren Fähigkeiten und Interessen, auch gibt das tägliche Arbeitsleben uns die Chance, andere über einen langen Zeitraum zu beobachten und in vielen verschiedenen Situationen kennenzulernen. Hat man dies im Hinterkopf und bedenkt, dass Romanzen im Büro von deutschen Unternehmen akzeptiert werden, wundert es nicht, dass so manche ihren Lebenspartner bei der Arbeit kennen lernen. Dies sind gewiss gute Neu185 igkeiten für alleinstehende Männer und Frauen. In einer männer-dominierten Arbeitswelt ist jedoch der gute Ruf einer Frau stärker gefährdet, wenn es zu einem Techtelmechtel kommt. Sollten Sie also mit einem Kollegen ausgehen wollen oder Sie haben sich gar in einen Kollegen verguckt, beachten Sie Folgendes:

  • Widerstehen Sie der Versuchung, jeden sofort wissen zu lassen, dass Sie mit einem Kollegen ausgehen. Selbst wenn Sie das Gefühl haben, vor lauter Schmetterlingen im Bauch zu platzen, versuchen Sie diskret zu bleiben. Es fällt immer schwer einen Korb zu bekommen, doch es ist ungleich schmerzhafter, wenn so etwas jeder im Büro weiß. Erst wenn beide sicher sind, dass es mehr als ein kurzer Flirt ist, ist es auch möglich, es die Kollegen wissen zu lassen. Während der Arbeit sollten Sie jedoch Gesten der Zuneigung unbedingt unterlassen. Es ist nicht nur unprofessionell, sondern kann sehr peinlich sein, wenn ein Kollege mitbekommt, dass Sie sich im Aufzug, der Kaffeeecke oder im Treppenhaus umarmen oder küssen.
  • Wenn Sie eine Beziehung zu einem Kollegen haben, vergeuden Sie nicht Ihre Arbeitszeit mit Plaudern, Anrufen oder E-Mails. Ein solches Benehmen ärgert nicht nur andere Kollegen, die bei privaten Gesprächen zuhören müssen, sondern verführt auch dazu Ihre Aufgaben zu vernachlässigen. Strapazieren Sie auch die gemeinsame Mittagspause nicht über Gebühr und warten Sie mit irgendwelchen Zuneigungsbekundungen bis der Arbeitstag vorbei ist.
  • Die Dinge können noch komplizierter werden, trifft man sich privat aus unterschiedlichen Hierarchiestufen zu einem Rendezvous. Gerüchte über den Versuch, sich den Weg nach oben „beizuschlafen“ sind schnell in die Welt gesetzt und durchaus nichts Ungewöhnliches. Aus diesem Grunde ist es äußerst wichtig, dass die Beziehung das Berufsleben oder die Verantwortung als Kollege beziehungsweise Kollegin nicht beeinflusst. In der Tat ist es sogar empfehlenswert, dass einer der Partner beginnen sollte, sich nach einer anderen Stelle umzusehen, wenn für beide klar ist, dass sie langfristig eine Beziehung eingehen wollen. Das ist auch anderen Arbeitskollegen gegenüber nur fair, die sonst glauben könnten, dass jemand unangemessene Vorteile auf Basis der Beziehung ziehen könnte.
  • Wenn Ihr Chef oder ein verheirateter Kollege beginnt, mit Ihnen zu flirten oder zweideutige Kommentare zu machen, sollten Sie sich nicht dazu gedrängt fühlen, ihm ebenso durch Flirten zu schmeicheln. Dies sind Situationen, die einen negativen Einfluss auf den Ruf einer Frau haben können und dies ist umso unfairer, wenn man bedenkt, dass die meisten Frauen sich darüber ärgern, mit solch unangenehmen Situationen konfrontiert zu werden. Antworten Sie in einem ernsten Ton, nicht positiv oder unzweideutig auf Anspielungen und Annäherungsversuche, sondern setzen Sie gegen das Gesäusel sofort einen deutlichen Akzent. Wenn Sie ständig von irgendjemandem belästigt werden, sprechen Sie mit der Frauenbeauftragten Ihres Unternehmens oder einer Arbeitnehmerorganisation. Sie kann Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen und bei hartnäckigen Fällen auch mit dem Kollegen in Ihrem Namen sprechen. In solchen Fällen jedoch ist eine gute Arbeitsatmosphäre ohnehin schon vergiftet und Sie können sich in letzter Konsequenz noch mit gesetzlichen Mitteln gegen die sexuelle Belästigung wehren (AGG-Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz, siehe unseren Artikel zu diesem Gesetz unter http://www.german-business-etiquette.com/).

Mentoren und andere Steigbügelhalter für die Karriere
Wenn Sie als junge Frau ihre Karriere in Deutschland beginnen, sollten Sie versuchen mit einer älteren Berufskollegin eine Beziehung aufzubauen, die Sie beraten und betreuen kann. Manche Großunternehmen in Deutschland haben über die Personalabteilung sogar formelle Gruppen ins Leben gerufen, die jüngere mit älteren, erfahren Mitarbeiterinnen in Kontakt bringen. Auch wird durch spezielle Förderprogramme versucht, Frauen bessere Karrierechancen in Berufssparten zu eröffnen, in denen sie bislang unterrepräsentiert waren, so zum Beispiel das Pro187 gramm Yolante bei Siemens (www.siemens.de/yolante), das junge Frauen durch ein technisch oder naturwissenschaftliches Studium begleitet. Wenn keine solche Gruppe in der Firma existiert, versuchen Sie über andere berufs- und karriereorientierte Kontakte Rat und Betreuung zu erhalten. Ein großes Netzwerk, in dem es mehr als 10.000 themenorientierte Communities gibt, ist der Business-Club Xing.de. Aber auch Arbeitnehmervertreter, wie die Gewerkschaften IGMetall.de und Verdi.de haben Ansprechpartner, an die Sie sich direkt wenden können. Machen Sie klar, dass Sie sie oder ihn als Mentor respektieren und welches Ziel Sie im Unternehmen sowie im Beruf erreichen wollen. Obwohl der Mentor einer Frau nicht unbedingt eine andere Frau sein muss, sind Frauen doch geeigneter, Probleme zu verstehen, mit denen Sie sich konfrontiert sehen. Auch ist es vermutlich einfacher, mit einer Frau Vertrauen zu gewinnen. Während ein Mentor Ihnen bei vielen Dingen einen professionellen Rat geben kann und Ihnen beim Aufbau eines Netzwerkes hilft, sollte eine Frau zusätzlich folgende Dinge beim Aufstieg auf der Karriereleiter beachten:

  • Wenn Sie mehrere gute, berufsbezogene Kontakte pflegen, werden Sie auch mehr Vertrauen in Ihre Aufgabe und Ihre Zukunft im Unternehmen haben. Hüten Sie sich jedoch davor diese Kontakte oder Freundschaften zu verwenden, um mit ihnen zu prahlen oder andere Kollegen manipulieren zu wollen. Dazu gehört auch, beispielsweise, nicht zu erwähnen, dass Sie zur Hochzeit des Sohnes des Vorstandsvorsitzenden eingeladen sind. Dies untergräbt das Vertrauen der Kollegen Ihnen gegenüber und macht sie eifersüchtig.
  • Selbst wenn Sie noch immer als Neueinsteiger gelten, lehnen Sie sich nicht zurück und lassen Sie sich von jedem über alles beraten. Mentoren und andere Kollegen freuen sich wohl, Rat zu geben und Ihnen einen besten Start zu ermöglichen. Kommunizieren Sie aber auch, dass Sie Fortschritte machen und geben Sie eine Rückmeldung über die Erfolge und die Freude, die Sie auf Basis der Bemühungen anderer haben. Denken Sie auch daran, dass die Investition von Zeit und Aufwand durch Andere immer ein Kreislauf sein muss: Was Ihnen Gutes widerfahren ist durch Andere, vergüten Sie wiederum in Form eines Hilfsangebotes für diejenigen, die nach Ihnen kommen. Speziell für weibliche Angestellte mit beruflichen Ambitionen ist es wichtig, dass sie zuweilen eine Kostprobe ihrer Kompetenzsteigerung zeigen und damit demonstrieren, dass sie sich in der Erledigung ihrer Aufgaben unabhängig von anderen gemacht haben.
  • In jedem Büro treffen unterschiedliche Charaktere und Persönlichkeiten aufeinander. Das da in der täglichen Zusammenarbeit Konflikte auftreten, ist unvermeidlich. Wenn Sie nur eine von wenigen Frauen an diesem Arbeitsplatz sind, ist es gar nicht abwegig, dass Sie ein beliebtes Ziel für die Eifersüchte des Alpha-Tieres, die Tiraden der wetteifernden Kollegen, die schlechten Witze der Machos oder sogar der Kummerkasten für deprimierte Kollegen sind. Dann ist es wichtig, dass Sie den Kollegen begreiflich machen, dass Sie weder Sozialarbeiter noch ein Sandsack sind. Wichtig jedoch ist, dass Sie diese Kollegen nicht ein-schüchtern, vor den Kopf stoßen, sich unsensibel zeigen oder sich in deren Probleme zu sehr hineinziehen lassen. Zeigen Sie sich dennoch stets offen und positiv-optimistisch und haben Sie Vertrauen in Ihre situationsbedingten Entscheidungen und Ihre Arbeitsleistung.
  • Zu guter Letzt: Denken Sie daran, jedem in der Unternehmenshierarchie ohne Unterschied auf seine Position mit Rücksicht und Respekt zu begegnen. Denn nicht umsonst gibt es die Redensart: „Man sieht sich immer zwei mal im Leben”. Daran sollten Sie auch beim Erklimmen der Karriereleiter denken: Wenn Sie jemanden überholen, kann es gut sein, dass Sie ihn beim Heruntergehen noch einmal treffen. Schon deshalb ist es wichtig zu zeigen, dass Sie jeden Kollegen respektieren. Und das beginnt schon damit, sich beim Büroklatsch zurückzuhalten, wenn manche negativ hinter dem Rücken anderer reden.

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